Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten in den Niederlanden für Ukrainer
Ukrainer, die in den Niederlanden im Rahmen des vorübergehenden Schutzes oder mit einer regulären Aufenthaltserlaubnis arbeiten, sehen sich denselben Konflikten gegenüber wie einheimische Arbeitnehmer. Die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten in den Niederlanden erfolgt am häufigsten durch Anrufung des kantonrechter — des Richters am Bezirksgericht, der Fälle zu Kündigungen, ausstehenden Lohnforderungen und anderen Konflikten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhandelt.
Die Internationale Anwaltskanzlei "Zahist" unterhält eine Vertretung in den Niederlanden und begleitet Ukrainer in den Niederlanden in Arbeitsstreitigkeiten — von Verhandlungen mit dem Arbeitgeber bis zur Einreichung eines Antrags bei Gericht. Unsere Erfahrung zeigt, dass ukrainische Arbeitnehmer, die alle Verstöße sofort dokumentieren und die Besonderheiten ihres Status verstehen, deutlich schneller eine Entschädigung erhalten als diejenigen, die erst nach einer Kündigung ohne Beweise um Hilfe ersuchen.
Welches Gericht bei einem Konflikt mit dem Arbeitgeber anzurufen ist
Arbeitsstreitigkeiten in den Niederlanden verhandelt der kantonrechter — ein Richter, der allein über Angelegenheiten zu Arbeitsverhältnissen, Wohnraummiete und vermögensrechtlichen Forderungen bis 25 000 Euro entscheidet.
Früher war das kantongerecht eine eigene Gerichtsinstanz; inzwischen werden solche Sachen im Rahmen der ordentlichen Bezirksgerichte verhandelt, wobei die frühere Bezeichnung des Richteramts beibehalten wurde.
Besonderheiten der Arbeitsrechte von Ukrainern mit vorübergehendem Schutz
Ukrainer mit dem Status des vorübergehenden Schutzes haben das Recht, in den Niederlanden ohne gesonderte Arbeitserlaubnis (tewerkstellingsvergunning) zu arbeiten — diese Freistellung gilt seit April 2022.
Der Arbeitgeber ist lediglich verpflichtet, dem UWV die Beschäftigung eines Ukrainers mindestens zwei Arbeitstage vor dem tatsächlichen Arbeitsbeginn zu melden.
Ein Teil der Konflikte entsteht, weil der Arbeitgeber diese Regelung nicht kennt: Er verlangt unnötige Unterlagen oder verzögert die Einstellung unter Berufung auf das Fehlen einer Erlaubnis, die das Gesetz nicht verlangt.
Für eine rechtmäßige Beschäftigung genügen ein Arbeitsvertrag, die BSN-Nummer, ein gültiger Reisepass und eine Registrierungsbestätigung der IND — unsere Erfahrung zeigt, dass Ukrainer, die diese Dokumente im Voraus bei sich haben, seltener mit Verzögerungen bei der Formalisierung konfrontiert werden.
Wege zur Streitbeilegung ohne Anrufung des Gerichts
Bevor ein Antrag bei Gericht eingereicht wird, sollten alternative Wege geprüft werden, die beiden Konfliktparteien Zeit und Kosten sparen können.
- Mediation — ein unabhängiger Vermittler hilft den Parteien, eine Kompromisslösung zu finden; sie ist auch nach Klageerhebung verfügbar.
- Regelrechter — ein Richter, der gemeinsam mit Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach einer Lösung für Konflikte bis 5000 Euro in einzelnen Bezirken sucht.
- Direkte Verhandlungen mit dem Arbeitgeber unter Beteiligung eines Juristen noch vor der formellen Anrufung des Gerichts.
Führen diese Wege nicht zum Erfolg, ist der nächste Schritt die formelle Anrufung des kantonrechter mit einer konkreten Forderung.
Kündigung über das UWV: wann der Arbeitgeber eine Genehmigung beantragt
Liegt der Kündigungsgrund in wirtschaftlichen Umständen des Unternehmens oder in einer länger als zwei Jahre andauernden Arbeitsunfähigkeit, stellt der Arbeitgeber beim UWV einen Antrag auf Kündigungsgenehmigung.
Das UWV-Verfahren verläuft schriftlich, ohne Anhörung, und dauert in der Regel vier bis sechs Wochen bis zur Entscheidung.
Kündigung über den kantonrechter: Auflösung des Arbeitsvertrags
Ist der Kündigungsgrund ein anderer — mangelhafte Pflichterfüllung, schuldhaftes Verhalten oder zerrüttete Beziehungen zum Arbeitgeber —, verhandelt der kantonrechter die Sache auf Antrag auf Vertragsauflösung.
Der Antrag wird innerhalb von fünf Wochen nach Eingang zur Verhandlung angenommen; anschließend wird eine Anhörung unter Beteiligung beider Parteien anberaumt.
| Kriterium | Kündigung über das UWV | Kündigung über den kantonrechter |
| Grundlage | wirtschaftliche Gründe, langandauernde Krankheit | mangelhafte Arbeit, Konflikt, schuldhaftes Verhalten |
| Verhandlungsformat | schriftlich, ohne Anhörung | Anhörung unter Beteiligung der Parteien |
| Ungefähre Dauer | 4–6 Wochen | 5 Wochen bis zur Anberaumung der Anhörung |
| Anfechtung der Entscheidung | beim kantonrechter innerhalb von 2 Monaten | Berufung beim höheren Gericht |
Uneinigkeit mit der UWV-Entscheidung: Recht, den kantonrechter anzurufen
Hat das UWV dem Arbeitgeber die Kündigungsgenehmigung erteilt und ist der Arbeitnehmer damit nicht einverstanden, hat er zwei Monate nach Beendigung des Arbeitsvertrags Zeit, den kantonrechter anzurufen.
Im Antrag kann entweder die Wiederherstellung des Arbeitsvertrags oder eine billige Entschädigung (billijke vergoeding) wegen einer nach Auffassung des Arbeitnehmers rechtswidrigen Kündigung verlangt werden.
Fristlose Kündigung (ontslag op staande voet): Anfechtungsverfahren
Bei einer Kündigung „auf der Stelle“ beendet der Arbeitgeber den Vertrag sofort, ohne Beteiligung des Gerichts; die Anforderungen an eine solche Entscheidung sind jedoch sehr streng.
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, unverzüglich den konkreten Kündigungsgrund mitzuteilen, und die Situation muss so schwerwiegend sein, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit unmöglich wird.
Ist der Arbeitnehmer mit einer solchen Kündigung nicht einverstanden, hat er zwei Kalendermonate Zeit, den kantonrechter anzurufen, um die Kündigung für unwirksam erklären zu lassen oder eine Entschädigung zu verlangen.
Eintreibung ausstehender Löhne (loonvordering)
Zahlt der Arbeitgeber den Lohn nicht rechtzeitig oder nicht vollständig, kann der Arbeitnehmer beim kantonrechter eine Forderung auf Eintreibung der Rückstände einreichen.
Da Lohnfragen oft dringlich sind, kann das beschleunigte Verfahren kort geding genutzt werden, das eine vorläufige Gerichtsentscheidung noch vor der vollständigen Sachverhandlung ermöglicht.
Ist der Konflikt komplex oder erfordert zusätzliche Beweise oder Zeugenaussagen, wird die Sache im ordentlichen Verfahren bodemprocedure verhandelt, das länger dauert, aber eine endgültige Entscheidung erbringt.
Gesetzlicher Zuschlag und Zinsen bei verspäteter Lohnzahlung
Neben dem eigentlichen Schuldbetrag hat der Arbeitnehmer das Recht, den gesetzlichen Zuschlag (wettelijke verhoging) und die gesetzlichen Zinsen (wettelijke rente) wegen Zahlungsverzugs zu verlangen.
| Art der Entschädigung | Besonderheiten |
| Gesetzlicher Zuschlag (wettelijke verhoging) | bis zu 50 % des Schuldbetrags, ab dem 4. Arbeitstag des Verzugs, das Gericht kann herabsetzen |
| Gesetzliche Zinsen (wettelijke rente) | ab dem Datum, an dem der Lohn hätte gezahlt werden müssen; das Gericht kann nicht herabsetzen |
Der Zuschlag wird nicht erhoben, wenn die Verzögerung aus vom Arbeitgeber unabhängigen Gründen eingetreten ist, beispielsweise wegen nachgewiesener finanzieller Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens.
Was bei der Berechnung der Schuld zum Lohn gehört
Der Lohnbegriff im Arbeitsstreit ist weiter als der bloße Stunden- oder Monatssatz und umfasst mehrere zusätzliche Bestandteile.
- Urlaubsgeld (vakantietoeslag), das zusätzlich zum Grundlohn anfällt.
- Boni und Gratifikationen, die im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag vorgesehen sind.
- Vergütung von Überstunden.
- Gewinnbeteiligung und dreizehntes Monatsgehalt, sofern dies in den Arbeitsbedingungen vorgesehen ist.
Der Arbeitnehmer hat jedenfalls Anspruch mindestens auf den Mindestlohn für die geleistete Arbeit, und der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Lohnabrechnung auszuhändigen.
Lohnzahlung während Krankheit oder Freistellung
Auch wenn der Arbeitnehmer die Arbeit aus von ihm unabhängigen Gründen nicht leisten konnte, etwa wegen Krankheit, ist der Arbeitgeber in der Regel verpflichtet, die Lohnzahlung fortzusetzen.
Hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer freigestellt (non-actiefstelling) und die Zahlungen vollständig eingestellt, kann der Arbeitnehmer gleichzeitig die Rückstände und die Rückkehr auf den Arbeitsplatz über den kantonrechter verlangen.
Unsere Erfahrung zeigt, dass die dokumentarische Bestätigung der Freistellung oder Krankheit den Nachweis des Anspruchs auf fortgesetzte Zahlungen vor Gericht erheblich erleichtert.
Verjährungsfrist für Lohnrückstandsforderungen
Die Auszahlung ausstehenden Lohns kann innerhalb von fünf Jahren ab dem Datum verlangt werden, an dem der Arbeitgeber ihn hätte zahlen müssen.
Im Schreiben ist klar anzugeben, für welchen Zeitraum und welchen Betrag die Forderung erhoben wird; andernfalls kann das Schreiben keine rechtliche Wirkung zur Verlängerung der Frist entfalten.
Der Versand eines Einschreibens mit klarer Forderung zu einem konkreten Zeitraum und Betrag verlängert diese Verjährungsfrist; daher sollten Ansprüche schriftlich dokumentiert werden.
Typische Fehler bei der Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten
Der häufigste Fehler sind mündliche Absprachen mit dem Arbeitgeber ohne schriftliche Bestätigung, die sich vor Gericht später schwer beweisen lassen.
Ein weiteres verbreitetes Problem ist die verspätete Inanspruchnahme einer Beratung, wenn die Fristen für die Anfechtung einer Kündigung oder die Eintreibung einer Forderung bereits nahezu abgelaufen sind.
Unsere Erfahrung zeigt, dass Arbeitnehmer, die Gehaltsabrechnungen, den Schriftverkehr und den Arbeitsvertrag aufbewahren, deutlich stärkere Fälle vorbereiten als diejenigen, die sich allein auf mündliche Aussagen stützen.
Expertenblick: Wie man sich auf einen Arbeitsstreit vorbereitet
Die Analyse unserer Fälle zeigt, dass Anträge mit klarer dokumentarischer Untermauerung — Vertrag, Gehaltsabrechnungen, Schriftverkehr — deutlich schneller behandelt werden als Verfahren mit unvollständigen Beweisen.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Rechtzeitigkeit: Die Fristen für die Anfechtung einer Kündigung oder die Geltendmachung einer Forderung sind streng, und das Versäumen auch nur weniger Tage kann das Recht auf Schutz entziehen.
Wir empfehlen, unmittelbar nach Entstehen des Konflikts eine Beratung in Anspruch zu nehmen und nicht erst nach dem vollständigen Abbruch der Beziehungen zum Arbeitgeber, wenn ein Teil der Beweise verloren gehen kann.
Abfindung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses (transitievergoeding)
Wird der Arbeitsvertrag auf Initiative des Arbeitgebers beendet, hat der Arbeitnehmer in der Regel Anspruch auf eine Übergangsentschädigung (transitievergoeding), deren Höhe von der Betriebszugehörigkeit abhängt.
Im Jahr 2026 beträgt der Höchstbetrag dieser Entschädigung 102 000 Euro brutto, und für Arbeitnehmer mit höherem Gehalt das Jahresgehalt.
Der Anspruch auf die Entschädigung besteht unabhängig davon, ob die Kündigung über das UWV oder im Verfahren vor dem kantonrechter erfolgt ist, sofern die Initiative nicht vom Arbeitnehmer selbst ausging.
Kosten der Anrufung des kantonrechter
Die Einreichung einer Sache beim kantonrechter erfordert die Zahlung einer Gerichtsgebühr, deren Höhe bei Arbeitsstreitigkeiten natürlicher Personen und kleiner Unternehmen mehrere hundert Euro beträgt.
Der genaue Betrag hängt von der Höhe der Forderung und dem Status des Antragstellers ab; der aktuelle Tarif sollte daher unmittelbar vor Einreichung des Antrags geprüft werden.
Unsere Erfahrung zeigt, dass Arbeitnehmer mit begrenztem Einkommen vorab die Möglichkeit subventionierter Rechtsberatung prüfen sollten, die die Kosten der rechtlichen Begleitung erheblich senken kann.
Die Internationale Anwaltskanzlei "Zahist" unterhält eine Vertretung in den Niederlanden und begleitet Mandanten in jeder Phase des Arbeitsstreits — von den Verhandlungen bis zur Verhandlung der Sache vor dem kantonrechter.
Eine individuelle Beratung hilft, die Erfolgsaussichten der Sache präzise einzuschätzen und die Lösung von Arbeitsstreitigkeiten in den Niederlanden unter Berücksichtigung der konkreten Umstände und der geltenden Fristen zu planen.
Jeder Konflikt hat seine eigene Spezifik — Dokumente, Zeugen, Fristen; daher bleibt die detaillierte Analyse der Situation gemeinsam mit einem Fachmann der zuverlässigste Weg, die eigenen Rechte zu schützen.
Je früher der Arbeitnehmer Verstöße dokumentiert und eine Beratung in Anspruch nimmt, desto mehr rechtmäßige Instrumente bleiben zum Schutz seiner Interessen verfügbar.