§24 oder ein anderer Aufenthaltstitel: Was sollten Ukrainer in Deutschland wählen?
Der Status des vorübergehenden Schutzes nach § 24 wurde automatisch bis zum 4. März 2027 verlängert, führt jedoch für sich genommen nicht zu einer unbefristeten Niederlassungserlaubnis. Um die Perspektive eines dauerhaften Status zu schaffen, empfiehlt es sich, rechtzeitig den Wechsel zu einem zielgerichteten Aufenthaltstitel zu prüfen — über eine Beschäftigung, die Blue Card, ein Studium oder eine Ausbildung, ohne Deutschland zu verlassen.
Die Internationale Anwaltskanzlei "Zahist" berät Ukrainerinnen und Ukrainer zur Strategie des Aufenthalts in Deutschland über Jahre hinweg. Nach unserer Praxis zögern die meisten Mandanten den Wechsel in einen anderen Status hinaus, solange § 24 noch gilt, und stellen dann fest, dass für die Zusammenstellung der Unterlagen und den Nachweis der Qualifikation deutlich weniger Zeit bleibt, als es zunächst schien.
Wir erläutern, was § 24 heute gewährt, bis wann er gilt, welche Alternativen bestehen — von der fachbezogenen Beschäftigung und der Blue Card bis zum Studium und zur Ausbildung — und ob ein Wechsel in einen anderen Status möglich ist, ohne Deutschland zu verlassen.
Was der Status nach § 24 heute gewährt und bis wann er gilt
Der Status nach § 24 AufenthG eröffnet den Zugang zum Arbeitsmarkt, zur Bildung, zu Wohnraum und zu Sozialleistungen — praktisch denselben Umfang an Rechten wie ein vollwertiger Aufenthaltstitel, jedoch mit einer grundlegend anderen Rechtsnatur.
Stand Februar 2026 wurden die zu diesem Zeitpunkt gültigen Titel automatisch bis zum 4. März 2027 verlängert, ohne dass ein gesonderter Antrag bei der Ausländerbehörde gestellt werden muss.
Wichtig ist, die Rechtsnatur dieses Status zu verstehen: Er ist als Instrument des vorübergehenden Schutzes ausgestaltet und nicht als eigenständige Grundlage für einen späteren unbefristeten Aufenthalt im Land. Die unter § 24 verbrachte Zeit wird daher nach der allgemeinen Regel nicht unmittelbar in anrechenbare Zeiten für die Niederlassungserlaubnis umgewandelt.
Warum Alternativen zu § 24 frühzeitig bedacht werden sollten
Der Wechsel in einen anderen Status ist faktisch ohne Einschränkungen möglich — vorausgesetzt, der Antragsteller erfüllt die Voraussetzungen genau desjenigen Aufenthaltstitels, in den er wechseln möchte.
Die zentrale praktische Voraussetzung ist, dass dieser Wechsel erfolgt, solange der Titel nach § 24 noch gültig ist oder eine Fiktionsbescheinigung gilt. Wird diese Entscheidung bis zum letzten Moment aufgeschoben, verkürzt sich die Zeit für die Vorbereitung der Unterlagen erheblich.
- Fachbezogene Beschäftigung — § 18a oder § 18b AufenthG für qualifizierte Fachkräfte
- Blue Card EU — für akademische Fachkräfte mit hohem Einkommen
- Ausbildung — berufliche Ausbildung mit anschließender Beschäftigung
- Hochschulstudium — § 16b AufenthG
- Familiäre Gründe — Nachzug zu einem Familienangehörigen mit einem anderen Status
Aufenthaltstitel über eine fachbezogene Beschäftigung
Die Paragraphen § 18a und § 18b AufenthG erfassen qualifizierte Fachkräfte mit Berufsausbildung beziehungsweise mit akademischer Ausbildung. Seit November 2023 ist die Behörde bei Erfüllung der Voraussetzungen verpflichtet, den Titel zu erteilen, und kann dies nicht lediglich tun — dadurch wandelt sich die Stellung des Antragstellers vom Bittsteller zur Person mit einem Rechtsanspruch auf den Titel.
Eine weitere wesentliche Änderung ist die Aufhebung der Bindung an den erlernten Beruf: Eine qualifizierte Fachkraft kann nun in jeder qualifizierten Beschäftigung tätig sein und nicht nur in derjenigen, die dem Diplom entspricht.
Bei akademischer Ausbildung erfolgt die Anerkennung über die Datenbank Anabin oder eine Bewertung durch die ZAB, bei einem Berufsbildungsabschluss über die Industrie- und Handelskammer oder die Handwerkskammer.
Blue Card EU — Voraussetzungen im Jahr 2026
| Parameter | Voraussetzung im Jahr 2026 |
| Mindestgehalt, allgemeine Berufe | 50.700 EUR pro Jahr |
| Mindestgehalt, Mangelberufe (IT, Ingenieurwesen, Medizin) | 45.934,20 EUR pro Jahr |
| Ausbildung | Anerkannter Hochschulabschluss |
| Vertrag | Mindestens 6 Monate |
Die Blue Card EU richtet sich gezielt an Fachkräfte mit Hochschulabschluss und einem konkreten Arbeitsplatzangebot mit entsprechendem Einkommensniveau. Absolventen und qualifizierte IT-Fachkräfte ohne Hochschulabschluss können die Karte bei einem niedrigeren Einkommensschwellenwert erhalten, wenn der Beruf zu den Mangelberufen gehört.
Neben dem Zugang zur Beschäftigung bietet die Blue Card EU einen weiteren Vorteil — einen verkürzten Weg zur Niederlassungserlaubnis im Vergleich zu den Standardtiteln für Arbeitnehmer.
Status für qualifizierte Fachkräfte ohne Hochschulabschluss
Nicht nur Inhaber von Diplomen haben einen Weg zu einem legalen Status über eine Beschäftigung — eine anerkannte Berufsausbildung nach § 18a eröffnet dieselbe Möglichkeit für Fachkräfte in gewerblichen und technischen Berufen.
Voraussetzung für die Anerkennung der beruflichen Qualifikation ist der Nachweis der Gleichwertigkeit der in der Ukraine erworbenen Ausbildung mit dem deutschen Standard, der im Anerkennungsverfahren bei der zuständigen Kammer oder der befugten Stelle festgestellt wird.
Ausbildung — berufliche Ausbildung als Weg zum Status
Der Titel nach § 16a AufenthG wird speziell für die Absolvierung einer beruflichen oder schulischen Ausbildung und einer Weiterbildung erteilt.
- Ausbildungsplatz, der von der zuständigen Stelle anerkannt ist
- Ausreichender Wohnraum
- Eigenständige Sicherung des Lebensunterhalts für die Dauer der Ausbildung
Ein Wechsel auf diesen Weg ist auch vor Abschluss des Verfahrens zur Erteilung des Titels nach § 24 möglich, wenn eine Ausreise in das Herkunftsland zur Visumbeantragung derzeit wegen des Kriegszustands nicht möglich ist. Nach Abschluss der Ausbildung eröffnet sich die Perspektive eines Wechsels in § 18a als qualifizierte Fachkraft.
Hochschulstudium als Alternative zu § 24
Der Titel nach § 16b AufenthG ist für die Aufnahme eines Studiums an einer Hochschule oder für vorbereitende Kurse vor dem Studium bestimmt und verlangt ebenfalls den Nachweis der eigenständigen Sicherung des Lebensunterhalts.
Der Vorteil dieses Weges liegt in der Verbindung von Bildung mit der späteren Perspektive, unmittelbar nach Abschluss des Studiums in den Status einer qualifizierten Fachkraft zu wechseln, ohne im Status nach § 24 von Grund auf eine Beschäftigung suchen zu müssen.
Familiäre Gründe als alternativer Weg
Der Nachzug zu einem Familienangehörigen — Ehepartner, Ehepartnerin oder Elternteil eines Kindes —, der in Deutschland bereits einen anderen, nicht mit § 24 verbundenen Status hat, kann ebenfalls Grundlage für einen Wechsel sein.
Dieser Weg ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Familienangehöriger bereits fachbezogen beschäftigt ist oder auf Grundlage eines eigenständigen Titels und nicht allein nach § 24 studiert. In diesem Fall erfolgt der Wechsel nach den Regeln des gewöhnlichen Familiennachzugs und nicht nach dem vereinfachten Verfahren des vorübergehenden Schutzes.
Kann man in einen anderen Aufenthaltstitel wechseln, ohne Deutschland zu verlassen
Ja — der Wechsel erfolgt unmittelbar bei der Ausländerbehörde am Wohnort, ohne Rückkehr in die Ukraine zur Durchführung des Visumverfahrens.
Einschränkungen für einen solchen Wechsel gibt es praktisch nicht — die Hauptvoraussetzung besteht darin, dass der Antragsteller zum Zeitpunkt der Stellung des Antrags auf den Wechsel die Voraussetzungen genau des neuen, angestrebten Titels erfüllt.
Solange der Antrag auf den neuen Titel geprüft wird und der Titel nach § 24 noch gültig ist oder eine Fiktionsbescheinigung gilt, behält die Person das Aufenthaltsrecht und den Zugang zum Arbeitsmarkt ohne Unterbrechung.
Anforderungen an Beschäftigung, Einkommen, Bildung und Sprache bei den verschiedenen Titeln
| Titel | Zentrale Voraussetzung |
| § 18a / § 18b — qualifizierte Fachkraft | Anerkannte Ausbildung + entsprechende Beschäftigung |
| Blue Card EU | Hochschulabschluss + Gehalt von 45.934 bis 50.700 EUR/Jahr |
| § 16a — Ausbildung | Ausbildungsplatz + gesicherter Lebensunterhalt |
| § 16b — Hochschulstudium | Zulassung + gesicherter Lebensunterhalt |
Die Sprachanforderungen sind nicht für alle Titel einheitlich — für eine fachbezogene Beschäftigung genügt meist das Niveau, das für die konkrete Stelle erforderlich ist. Studium oder Ausbildung können hingegen einen gesonderten Nachweis der deutschen oder, in manchen Programmen, der englischen Sprache verlangen.
Vorteile und Grenzen der verschiedenen Optionen
Einen universellen Status, der für alle gleichermaßen vorteilhaft ist, gibt es nicht — die Wahl hängt von der vorhandenen Qualifikation, dem aktuellen Einkommen und der Bereitschaft ab, zu lernen oder eine neue Anerkennung des Abschlusses zu erlangen.
Eine Beschäftigung im erlernten Beruf bringt das schnellste und stabilste Ergebnis für diejenigen, deren Bildungsabschluss bereits anerkannt ist, während eine Berufsausbildung (Ausbildung) oder ein Studium mehr Zeit erfordern, aber für Personen geeignet sind, deren Qualifikation in Deutschland noch keine unmittelbare Anerkennung gefunden hat.
Die Blue Card EU ist aufgrund des hohen Einkommens und des beschleunigten Weges zu einem dauerhaften Aufenthaltsstatus attraktiv, steht jedoch nur denjenigen offen, die bereits ein konkretes Arbeitsangebot mit entsprechendem Gehalt haben — und nicht lediglich ein Einkommen auf Grund- oder mittlerem Niveau.
Welche Unterlagen Sie vorab vorbereiten sollten
- Bildungsabschlusszeugnis mit Übersetzung und gegebenenfalls Apostille
- Nachweis der Anerkennung der Qualifikation über Anabin, die ZAB oder die zuständige Kammer
- Arbeitsvertrag oder vorläufiges Arbeitsangebot mit Angabe des Gehalts
- Nachweis über ausreichenden Wohnraum
- Nachweis der Sprachkenntnisse, sofern der gewählte Aufenthaltstitel dies verlangt
Mit der Beschaffung und Legalisierung der Unterlagen sollte lange vor Ablauf der Gültigkeit der Aufenthaltserlaubnis nach § 24 begonnen werden, da die Anerkennung des Diploms oder die Bestätigung der Qualifikation durch die Kammer bereits für sich genommen mehrere Monate dauern kann, ohne die Bearbeitungszeit des Antrags auf den neuen Aufenthaltstitel.
Was diejenigen beachten sollten, die langfristig in Deutschland bleiben möchten
Langfristige Perspektive beruht nicht allein auf dem Vorliegen des Status nach § 24, sondern auf dem konsequenten Wechsel zu einem Aufenthaltstitel, der auf die Frist für die unbefristete Niederlassungserlaubnis angerechnet wird.
Je früher der Wechsel zum angestrebten Aufenthaltstitel erfolgt, desto früher beginnt die Anrechnung der für die Niederlassungserlaubnis erforderlichen Aufenthaltszeit — und ein Aufschieben dieser Entscheidung auf das letzte Jahr der Gültigkeit des § 24 bedeutet verlorene Zeit, die sich nicht zurückholen lässt.
Typische Fehler beim Wechsel von § 24 zu einem anderen Aufenthaltsstatus
Der häufigste Fehler besteht darin, den Antrag auf den neuen Aufenthaltstitel erst nach Ablauf der Gültigkeit der Erlaubnis nach § 24 zu stellen, wenn die Fiktionsbescheinigung nicht rechtzeitig ausgestellt wurde.
Die zweite typische Situation: Der Antragsteller leitet das Anerkennungsverfahren für das Diplom oder die Berufsqualifikation zu spät ein und berücksichtigt nicht, dass die Prüfung durch die Kammer oder die ZAB mehrere Monate dauern und unabhängig vom Antrag auf den Aufenthaltstitel verlaufen kann.
Der dritte Fehler besteht darin, sich ausschließlich an der ersten angebotenen Beschäftigungsoption zu orientieren, ohne Alternativen wie die Blue Card oder ein Studium zu vergleichen, obwohl gerade der Vergleich mehrerer Wege häufig eine deutlich bessere langfristige Perspektive eröffnet.
Rechtliche Unterstützung beim Statuswechsel in Deutschland
Zu beurteilen, welcher Aufenthaltstitel Ihrer Qualifikation und Situation entspricht, und die Unterlagen vor Ablauf der Gültigkeit des § 24 vorzubereiten, ist eine Aufgabe, bei der eine rechtzeitige Beratung Monate spart.
Die Juristen der Internationalen Anwaltskanzlei "Zahist" helfen, den optimalen Weg für den Wechsel von § 24 in eine Beschäftigung, zur Blue Card, in ein Studium oder eine Ausbildung zu bestimmen, und begleiten die Antragstellung bei der Ausländerbehörde.
Wir beraten außerdem zur Anerkennung ukrainischer Diplome und Qualifikationen und bereiten die Unterlagen für die Einreichung vor, ohne dass Sie Deutschland verlassen müssen.
Wenn Sie den Wechsel von § 24 zu einem anderen Aufenthaltsstatus in Deutschland planen, wenden Sie sich an die Internationale Anwaltskanzlei "Zahist" — wir analysieren Ihre Situation in einer Beratung.